Meilensteine in der Medizin: Impfungen

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Was wäre wenn … es die Möglichkeit der Immunisierung gegen Infektionskrankheiten nicht gäbe, wenn das Impfen (Vaccination) noch nicht erfunden wäre?
Lebhaft vorstellen möchte man sich das nicht, dass Pocken, Kinderlähmung, Masern, Diphtherie und Tetanus uns nach wie vor terrorisieren und dezimieren. Viele Kinder würden das Erwachsenenalter nie erreichen, und auch nach dem Überwinden dieser Hürde wäre unsere durchschnittliche Lebenserwartung wohl vergleichsweise gering – möglicherweise nur halb so hoch, wie sie es jetzt ist. Diese Annahme beruht unter anderem auf der Tatsache, dass noch in den Jahren 1871-1881, ohne flächendeckende Impfungen oder Antibiotikabehandlungen, Männer im Schnitt nur 35,6, Frauen immerhin 38,5 Jahre alt geworden sind. Es ist davon auszugehen, dass in den vergangenen 60 Jahren mehr Kinderleben durch Impfungen gerettet werden konnten als durch irgendeinen anderen medizinischen Eingriff.
Der Erfolg von Impfungen ist nicht zu leugnen. Hochrechnungen zu Folge haben durch entsprechende Impfungen 2,7 Millionen Menschen eine Erkrankung an Marsern vermeiden können. Weitere 2 Millionen vermieden neonatalen Tetanus (Wundstarrkrampf bei Säuglingen), der durch einen fehlenden Impfschutz bei der Mutter ausgelöst werden kann. Und dem Keuchhusten konnten so etwa eine Millionen Menschen entgehen.


Wer hat"s erfunden?


Der Arzt Edward Jenner praktizierte vor circa 300 Jahren in England (die Pocken waren damals weltweit gefürchtet). Er bemerkte, dass jene Personen, die mit Kühen häufig Kontakt hatten, sich grundsätzlich nicht mit der auch als "Blattern" bezeichneten Seuche infizierten. Aus dieser Erkenntnis hat er geschlossen, dass wohl die harmlosere Pockenvariante bei Kühen, auf Menschen übetragen, eine schützende Wirkung bei ebendiesen hat. Er wagte den Versuch, zunächst von Kühen stammendes und im zweiten Schritt menschliches infektiöses Material/Isolat dem Sohn eines Gärtners zu verabreichen. Eine ebenso riskante wie erfolgreiche Vorgehensweise, denn der Junge blieb von den Pocken verschont. Die Vaccination (Impfung), von vacca (Kuh), war erfunden: Ein Segen für die Menschheit.
Nach wir vor handelt es sich bei Impfstoffen prinzipiell um biomedizinische Arzneimittel, die, laut Paul-Ehrlich-Institut, vorbeugend gegen viele Infektionskrankheiten wirken und zu den sichersten Arzneimitteln überhaupt gehören. Lebend- oder Totimpfstoffe werden, mithilfe unterschiedlicher Verfahren, hergestellt und dank neuester Technologien konnten mRNA- und Vektor-Impfstoffe entwickelt werden. Die meisten Immunsierungen erfolgen per Injektion, doch nicht immer muss "gepiekst" werden. Die Poliomyelitis-Impfung beispielsweise wurde seit 1962 in Europa bekanntgemacht mit dem Slogan "Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam". Mittlerweile hat sich die Zahl der Polio-Fälle weltweit um 99 Prozent reduziert.

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